Rückblick: Das HLCA-Konsortium auf der 10. European Public Health Conference 2017

Der Forschungsverbund Health Literacy im Kindes- und Jugendalter“ (HLCA) hat vom 01.- 04. November 2017 auf der 10. European Public Health Konferenz (EPHC) in Stockholm Veranstaltungen organisiert und ausgewählte Forschungsergebnisse vorgestellt. Unter dem Konferenzthema “Sustainable, resilient and healthy communities” hat die European Public Health Association (EUPHA) VertreterInnen aus der ganzen Welt zusammen gebracht.
Der HLCA-Verbund hat, neben der Darstellung von eigenen wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit der Sektion für Gesundheitsförderung (HPS) der EUPHA, eine Pre-Konferenz und verschiedene Workshops abgehalten. Den Fokus bildeten empirische Forschungsergebnisse, aber auch theoretische Perspektiven und praktische Auswirkungen auf Forschung, Politik und Praxis wurden vorgestellt und besprochen.

 
© 10th European Public Health Conference - 2017 Pre-Konferenz

Pre-Konferenz
Den Auftakt der EPHC bildete die Veranstaltung: “Health literacy and resilient citizens in the healthy community: bridging the gap between theory and health promotion research in the Sustainability Agenda”, die vom HLCA-Verbund, der Sektion für Gesundheitsförderung (HPS) der EUPHA und dem neu begründeten European Health Promotion Research Netzwerk organisiert worden ist. Die Veranstaltung wurde von Orkan Okan (HLCA) und Luis Saboga Nunes (Präsident, EUPHA-section: Health promotion) moderiert. Den Anfang machten Bengt Lindström, Geir Arild Espnes und Unni Karin Moksnes (Center for Health Promotion Research, Norwegian University for Science and Technology, NTNU-CHPR) mit ihrer Präsentation des neu initiierten European Health Promotion Research Network for Europe. Das Netzwerk ist in Kooperation mit der International Union for Health Promotion and Education (IUHPE), dem NTNU-CHPR und der Sektion für Gesundheitsförderung (HPS) der EUPHA entstanden. Ziel ist es, die Gesundheitsförderung auf europäischer Ebene weiterzuentwickeln. Denn gerade in der Gesundheitspolitik nimmt das Zusammenspiel von öffentlichem Gesundheitswesen und der Gesundheitsförderung noch eine marginale Rolle ein.
Weitere Informationen zum Netzwerk und zu der bevorstehenden Konferenz sind unter: https://www.ntnu.edu/healthforum abrufbar.


© HLCA-Verbund - 10th European Public Health Conference 2017
Pre-Konferenz

Es wurden empirische Erkenntnisse aus der Forschung zur gesundheitlichen Grundbildung und Gesundheitskompetenzen (Health Literacy) präsentiert und die potenzielle Rolle, die Health Literacy im Kontext der Gesundheitsförderung spielen kann, um Ungleichheiten entgegenzuwirken und die Chancengleichheit im Gesundheitswesen zu erhöhen, diskutiert.
Wie sich in diesem Zusammenhang bestehende Lücken zwischen Theorie und Praxis verringern können, wurde durch den Vortrag von Peter Goldblatt (Health Equity Institute, University College London) verdeutlicht. Er stellte die „Closing the Gap-Strategie“ vor, welche von der internationalen Kommission für soziale Determinanten der Gesundheit (CSDH) entwickelt wurde. Dabei brachte er einzigartige Methoden der Health Equity Forschung mit Health Literacy Forschungsansätzen zusammen.
Kristine Sørensen (Global Health Literacy Academy) befasste sich in ihrer Präsentation mit der Chancengleichheit im Bereich Gesundheit. Sie hob die Bedeutung der Förderung und des Schutzes der europäischen öffentlichen Gesundheit im Allgemeinen und im Besonderen von Health Literacy hervor, um diese durch Führung, Partnerschaft, und Innovation unter Verwendung eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes zu fördern.
Weiterhin zeigte Elise Sijthoff (Fysio Educatief & Wishes Network Amsterdam) in ihren Ausführungen auf, wie Kinder als junge Bürger und Vermittler ihres eigenen Wohlbefindens angesprochen werden können, um ihre eigene Gesundheit und die derer zu fördern, die ihnen nahe stehen. Orkan Okan (HLCA-Verbund) präsentierte Ergebnisse der ersten Förderphase des HLCA-Verbundes und die Planungen und Ziele der zweiten HLCA-Förderphase mit dem Fokus auf die Health Literacy von Kindern- und Jugendlichen.
Zum Abschluss diskutierte Luis Saboga Nunes (Universidade NOVA de Lisboa) die Rolle, die das salutogenetische Paradigma in einer Lebensverlaufsperspektive spielen kann, um gesundheitliche Grundbildung und Gesundheitskompetenzen als ein wichtiges Vehikel für Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern.


© 10th European Public Health Conference - 2017 Workshops

Workshopsessions
Die 1. Session “Health literacy in different countries and populations: the many approaches to research” hatte vier Sprecher, die sich mit Ansätzen zur Gesundheitskompetenz in Afghanistan, der Schweiz, Italien und Deutschland befassten. Stefanie Harsch (HLCA Teacher-MHL) präsentierte erste Erkenntnisse ihrer quantitativen Studie zu Gesundheitskompetenzförderung in Krisengebieten am Beispiel von Afghanistan. Isabella Bertschi von der Fachhochschule Nordwestschweiz und assoziierte Partnerin des HLCA-Verbundes, gab einen Einblick in Gesundheit als gelebte kulturelle Praxis im Alltag hispanoamerikanischer Einwanderer in der Schweiz. Ihre ersten Ergebnisse lassen darauf schließen, dass neben den traditionellen sozialen Netzwerken, immer stärker auch digitale Netzwerke eine Rolle spielen, um Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und in Gesundheitsentscheidungen anzuwenden.
Das IC-Health-Projekt “Improving digital health literacy in Europe” wurde von Pietro Del Giudice von der Universität Udine aus Italien vorgestellt und Orkan Okan (HLCA-MoMChild) präsentierte Ergebnisse der qualitativen Gesundheitskompetenzstudie mit Grundschulkindern der vierten Klasse.

In der 2. Session “Health literacy in childhood and adolescence: empirical results” wurden die Ergebnisse des HLCA-Konsortiums aus fünf Projekten dem internationalen Publikum präsentiert. Janine Bröder (HLCA-TeCoMo) thematisierte die diversen und heterogenen Konzepte, die für Health Literacy im Kindes- und Jugendalter vorliegen. Sie stellte die damit verbundenen Herausforderungen heraus und argumentierte für eine stärkere Berücksichtigung der Besonderheiten der Zielgruppe, sowie die Wechselwirkungen mit vielfältigen Umgebungsfaktoren (z. B. hierzu: Bröder et al. BMC Public Health. 2017).
Torsten Michael Bollweg (HLCA-MoMChild) präsentierte vorläufige Ergebnisse einer Klassenstudie zu Gesundheitskompetenzen von Viertklässlern. Er verwies darauf, dass bereits im Alter von 9 bis 10 Jahren die Gesundheitskompetenz bei den Befragten Kindern vor allem dann hoch ist, wenn sie aus Familien kommen, die finanziell besser gestellt sind.
Olga Domanska (HLCA-MOHLAA) berichtete von den Ergebnissen einer qualitativen Studie zur Frage, ob der HLS-EU Fragebogen von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren verstanden werden kann. Vorläufige Analyseergebnisse deuten darauf hin, dass der Fragebogen in dieser Altersgruppe nicht ohne Weiteres eingesetzt werden kann, da Ausdrücke und Frageinhalte mitunter falsch verstanden werden (z. B. auch hierzu: Domanska et al. In: Gesundheitswesen 2016; 78 – A200).
Interviewergebnisse über die psychischen Gesundheitskompetenzen (Mental Health Literacy) von SozialarbeiterInnen und Lehrkräften hat Dirk Bruland (HLCA Teacher-MHL) präsentiert. Erste Ergebnisse der Prozessbewertung im HLCA MEDIA PROTECT Projekt wurden von Eva-Maria Bitzer vorgestellt. Zentrale Erkenntnisse sind, dass die meisten Eltern der Stichprobe über ein Problembewusstsein in Bezug auf die Nutzung von Bildschirmmedien verfügen. Daher besteht Bedarf bei den Eltern und bei pädagogischen Fachkräften in ihren digitalen Medienkompetenzen geschult zu werden.


© 10th European Public Health Conference - 2017 E-Poster

Präsentationen und Poster
Janine Bröder (HLCA-TeCoMo) hat in der Pitch-Presentation: Children and Adolescents”-session” den Kurzvortrag “Child Health Literacy – a Child-Centered Conceptual Understanding” gehalten. Sie zeigt dabei auf, dass zwar in einem Literaturreview verschiedene Definitionen und Modelle für Health Literacy im Kindes- und Jugendalter gefunden werden konnten. Diese sind aber kaum zielgruppenspezifisch und berücksichtigen die Besonderheiten, Lebenswelten und Bedürfnisse von Kindern nur in eingeschränktem Maße. In den Beschreibungen von Health Literacy findet sich ein starker Fokus auf persönliche Handlungsfähigkeit und Kompetenzen. Allerdings wird kaum untersucht, wie Menschen tatsächlich Gesundheitskompetenz in ihrem Alltag praktizieren. Der Kurzvortrag “Qualitative Methods in Health Competence Research in Infants” wurde von Orkan Okan (HLCA-MoMChild) gehalten.
Dirk Bruland (HLCA Teacher-MHL)  präsentierte in der Session „Pitch-Präsentationen: Junge Menschen und zukünftige mentale Gesundheit“ ausgewählte Ergebnissen aus der Onlinebefragung über die psychischen Gesundeitskompetenzen (Mental Health Literacy) von Lehrkäften.
Unter dem Titel “Health literacy, general health and social support” präsentierte Susanne Jordan (HLCA-MOHLAA) vom Robert-Koch Institut auf Berlin in der Session “Pitch presentations: Social determinants of health” Ergebnisse der Umfrage ‘German Health Update´.
Die Posterpräsentationen der Mitglieder des HLCA-Verbundes bezogen sich auf die Erforschung von mentaler Gesundheit und dem Gesundheitsverständnis und Umgang bei Menschen mit Migrationshintergrund. Beispielsweise zeigte Zeynep Islertas (HLCA-ELMi) mit dem Poster “Relevance of Resources for the Health Behavior of Female Adolescents with a Turkish Migrant Background” Beziehungen zwischen den Ressourcen von Heranwachsenden und ihrem Verständnis von Gesundheit und Gesundheitsverhalten auf. HLCA-Teammitglied Stefanie Harsch (HLCA Teacher-MHL) zeigte in ihrer Posterpräsentation “Health literacy, the role of faith and barriers in Afghanistan. A quantitative study” die Herausforderungen vor denen gerade Länder wie Afghanistan stehen, um Gesundheitskompetenzen zu fördern. Patricia Wahl (HLCA-NePP) richtet in ihren Zwischenergebnissen den Fokus auf Perspektiven von Familien mit einem psychisch erkranktem Elternteil. Dabei konnte in den Gesprächen mit betroffenen Kindern und erkrankten Eltern herausgestellt werden, dass alltägliche Hilfestellungen wichtig sind. Also: Wie gehe ich konkret im Alltag mit Symptomen und aus der Krankheit resultierenden Veränderungen um? Darüber hinaus nehmen bei den Hilfesuchenden Stigmatisierungserwartungen und -erfahrungen eine wichtige Rolle sowohl bei der formalen als auch der informellen Hilfesuche ein.

Weitere Informationen:
Die Vorträge, Poster und weitere Informationen von der European Public Health Konferenz sind im European Journal of Public Health erschienen.