Mental Health Literacy: IMPRES Team in Kanada

Die im IMPRES-Projekt geplante Unterrichtsintervention zur Förderung psychischer Gesundheit und zur Reduktion von Stigmatisierung, die in Bielefeld mit unter dem Titel STABIEL (Stigma Abwehr Bielefeld) durchgeführt werden soll, basiert inhaltlich auf einem kanadischen Unterrichtsprogramm (Mental Health & High School Curriculum Guide – TeenMentalHealth.org). Um die Adaptionsarbeiten der deutschen Version zu prüfen und mit Erfahrungen hinsichtlich Umsetzungs- und Ausgestaltungsmöglichkeiten anzureichern, sind wir, das IMPRES-Team, nach Kanada gereist, um von den Entwicklern und aktuell an und mit dem Programm arbeitenden Expert*innen zu lernen und mit ihnen in den Austausch zu treten.

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Vorort konnten wir bei einem Austauschmeeting mit Senator Dr. Stan Kutcher und Dr. Yifeng Wei (Entwickler*innen und Expert*innen der Intervention) die Abwandlungen und Änderungen besprechen, die bei der Adaption des Unterrichtsprogramms für die Umsetzung an deutschen Schulen von uns in Zusammenarbeit mit Partner*innen der Regionalen Schulberatungsstelle, der Psychiatrie-koordination Bielefeld, dem Verein-Psychiatrie-Erfahrener e.V. und der Andreas-Mohn-Stiftung erarbeitet wurden. Für die Änderungen gab es sehr gutes Feedback und Dr. Kutcher betonte, dass er und sein Team zwar Expert*innen für das Material sind, wir hingegen für die Realität des deutschen Schulalltags und er somit die Angemessenheit der Anpassungen in unserem Ermessen verortet.

Im Anschluss haben wir an einer 3-tägigen Schulung von TeenMentalHealth.org teilgenommen, bei der wir einerseits für die Inhalte der Unterrichtsintervention geschult worden und andererseits auch für ein Mental Health Training für Lehrkräfte, das sie mit Hintergrundwissen zur psychischen Gesundheit ausstattet, damit sie als Vertrauens- oder Ansprechpersonen (Go-To Teacher) für die psychischen Bedarfe der Schüler*innen eine Lotsenfunktion einnehmen können. Die Schulung wurde von einem Team durchgeführt, das gemeinsam sowohl die Expertise aus dem klinischen als auch dem Bildungsbereich vereinigten. Die Schulungsgruppe war sehr heterogen. Die knapp 25 Teilnehmenden hatten unterschiedliche berufliche Hintergründe (Lehrkräfte, Schuladministrator*innen, Psycholog*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Forscher*innen, NGO-Mitarbeitende etc.) und kamen aus Brasilien, Irland, Wales, Kenia, Sri Lanka, USA, Kanada und Deutschland. Wir erlebten mit der Gruppe großes, inspirierendes Engagement für das Thema Psychische Gesundheit im Schulkontext und konnten Kontakte knüpfen. Zudem fand ein anregender Austausch statt, der uns Einblicke in die Praxis und die Rezeption des Materials an Schulen bot und eindrucksvoll aufzeigte, auf welche vielfältige Weise das Material in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt werden kann. Nicht zuletzt bestätigt dies eins der ausgeschriebenen Charakteristika des Unterrichtsprogramms: die Flexibilität der Umsetzung und damit das Potenzial der Übertragbarkeit auf andere Kontexte.

Unseren Aufenthalt abschließend besuchten wir eine Tagung, die ebenfalls von TeenMentalHealth.org organisiert wurde (Twitter: @TMentalHealth). Knapp 140 Teilnehmende hörten an diesem Tag verschiedene Vorträge von Mental Health Expert*innen unterschiedlicher Professionen, die sich inhaltlich mit psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen befassten und mehrheitlich im Schulkontext verorten lassen. Dabei wurden explizit unterschiedliche Interventionsprogramme vorgestellt und die Rolle, die Forschung in diesem Zusammenhang spielt, aufgezeigt.

Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei Dr. Kutcher und seinem Team bedanken!