Säule 3 – eHealth Literacy

eHealth Literacy befasst sich mit den Fähigkeiten und Kenntnissen, die wesentlich für die Anwendung von technologiebasierten Gesundheitsangeboten sind. Unter eHealth werden Gesundheitsangebote zusammengefasst, die im Internet bereitgestellt werden und durch verbesserte Technologien eine Auswahl von evidenzbasierten Entscheidungen erleichtern sollen [1]. Der Diskurs über Gesundheitspotenziale und Risiken dieser technologischen Entwicklungen weckt Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre [2]. Es werden in diesem Rahmen auch mangelnde Zugangs- und Nutzungsbedingungen von benachteiligten Gruppen thematisiert [3,4]. Beim Blick auf die jüngeren Altersgruppen wie Kinder und Jugendliche, ist es entscheidend, basierend auf ein umfassendes Wissen über bildschirmbedingte Gesundheitsrisiken und den Technologienutzen, für verschiedene Altersgruppen (Metaebene eHealth Literacy) einen erweiterten Begriff von eHealth Literacy zu verwenden, der die Entscheidung, wann und warum auf elektronische Medien zur Gesundheitsförderung zugegriffen wird, erfasst. Langzeitstudien zeigen, dass in jüngeren Altersgruppen starke negative Auswirkungen von übermäßiger Bildschirmmediennutzung zu verzeichnen sind. Längsschnittstudien bei Kindern zeigen, dass exzessive Bildschirmmediennutzung mit unter anderem mit Rauchen, Übergewicht, geringer Schulleistung, Empathieverlust und Aggressivität in Verbindung stehen[5,6]. Möglichkeiten dem negativen Effekt entgegen zu wirken, sind Interventionen für Kinder und Jugendliche im Vor- und Grundschulalter, die auf einer Reduktion der Bildschirmausstattung und der dysfunktionalen Nutzung basieren. Jugendliche nutzen das Internet, um Informationen über Gesundheitsthemen (Sexualität, Ernährung, Fitness, Bewegung) zu erhalten [7,8]. Diejenigen, die häufig das Internet nutzen, zeigen eine hohe Teilnahme an sozialen Netzwerken und ein hohes gesundheitliches Risikoverhalten [9]. Ziel ist es, unter Einbeziehung der Mediennutzung der Jugendlichen, die eHealth Literacy auf der Metaebene zu stärken.

Teilprojekte

  • Media Protect – Wirksamkeit einer Elternintervention zur Prävention von problematischer TV Mediennutzung bei 4–7-jährigen Kindern. Eine prospektive Cluster-randomisierte Studie
  • PrettY – Jugendspezifische Angebote der Gesundheitsförderung. Digitale Gesundheitsangebote für Kinder und Jugendliche
  • ELMi – eHealth Literacy und Gesundheit von Minoritäten: Eine ethnographische Untersuchung zum gesundheitsbezogenen Nutzen von neuen Medien unter benachteiligten Jugendlichen mit türkischem und afghanischem Migrationshin- tergrund

Der Workblock 3 (WB 3), eHealth Literacy (eHL), umfasst die angewandte Forschung mit drei Teilprojekten. Das Teilprojekt 7 Media Protect befasst sich mit der Evaluation einer Intervention für die Zielgruppe Eltern von Grundschulkindern zur Prävention problematischer Bildschirmmediennutzung. Es handelt sich um eine prospektive randomisierte Cluster Studie. Im achten Teilprojekt PrettY wird eine systematische Literaturrecherche erstellt, um einen umfassenden theoretischen und ein empirisches Verständnis von eHealth Literacy zu erlangen. Zusätzlich werden digitale Gesundheitsangebote, Websites und Apps, für Kinder und Jugendliche daraufhin analysiert, ob sie zur Herstellung von eHealth Literacy einen Beitrag leisten oder ob sie durch ihre Sprache und Komplexität zu Vergrößerung gesundheitlichen Ungleichheiten führen (Präventionsdilemma). Das neunte Teilprojekt ELMi befasst sich mit eHealth Literacy und der Gesundheit von Minderheiten. Es ist eine ethnographische Studie über die gesundheitsbezogene Nutzung neuer Medien für benachteiligte Jugendliche mit einem türkischen und afghanischen Migrationshintergrund.

 Literaturquellen

  1. Eysenbach G. (2001). What is eHealth? In: J Med Internet Res. 3 (2), S. E20. DOI: 10.2196/jmir.3.2.e20.
  2. Goldman J, Hudson Z. (2000). Virtually exposed: privacy and eHealth. In: Health Aff (Millwood). 19 (6), S.140–148.
  3. Brodie M, Flournoy RE, Altman DE, Blendon RJ, Benson JM, Rosenbaum MD. (2000). Health information, the Internet, and the digital divide. In: Health Aff (Millwood). 19 (6), S. 255–265.
  4. Jimison H, Gorman P, Woods S, Nygren P, Walker M, Norris S, Hersh W. (2008). Barriers and drivers of health information technology use for the elderly, chronically ill, and underserved. In: Evid Rep Technol Assess (Full Rep). (175), S. 1–1422.
  5. Mößle T, Rehbein F. (2013). Predictors of Problematic Video Game Usage in Childhood and Adolescence. In: SUCHT – Zeitschrift für Wissenschaft und Praxis / Journal of Addiction Research and Practice 59 (3). S.153–164. DOI: 10.1024/0939-5911.a000247.
  6. Robertson LA, McAnally HM, Hancox RJ. 2013. Childhood and adolescent television viewing and antisocial behavior in early adulthood. Pediatrics. 131 (3): 439–446
  7. Baheiraei A, Khoori E, Foroushani AR, Ahmadi F, Ybarra ML. (2013). What sources do adolescents turn to for information about their health concerns? In: Int J Adolesc Med Health. S. 1–8. DOI: 10.1515/ijamh-2012-0112.
  8. Borzekowski DL, Rickert VI. (2001). Adolescent cybersurfing for health information: a new resource that crosses barriers. In: Arch Pediatr Adolesc Med. 155 (7), S. 813–817.
  9. Moreno MA, Parks MR, Zimmerman FJ, Brito TE, Christakis DA. (2009). Display of health risk behaviors on myspace by adolescents: Prevalence and associations. In: Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine. 163 (1), S. 27–34. DOI: 10.1001/archpediatrics.2008.528.