Gesundheitliche Ungleichheiten, Gesundheitsförderung und Health Literacy (Gesundheitskompetenzen) bei vulnerablen Familien in der Schweiz: Eine gesundheitsbezogene explorative ethnographische Studie

Diana Sahrai, Isabella Bertschi, Fachhochschule Nordwestschweiz, Pädagogische Hochschule, Institut Spezielle Pädagogik und Psychologie (ISP)

Das Projekt ist einzuordnen im Kontext von gesundheitlicher Ungleichheit, Gesundheitsförderung und Health Literacy. Es setzt an der allgemeinen Frage an, was die Ursachen von herkunftsspezifischen gesundheitlichen Ungleichheiten im Kindesalter sind, wie vulnerable Kinder und Familien durch Programme der Prävention und Gesundheitsförderung besser angesprochen und erreicht werden können und welche Gesundheitskompetenzen vulnerable Familien aufweisen. Studien zeigen Studien sowohl für die Schweiz als auch international immer wieder den Zusammenhang zwischen gesundheitlicher Ungleichheit und Herkunft. Auch ist hinlänglich bekannt, dass vulnerable Gruppen schwerer durch Präventions- und Gesundsheitsförderungsprogramme erreicht werden. Insbesondere quantitative Studien zeigen immer wieder, dass vulnerable Gruppen über geringere Gesundheitskompetenzen verfügen. Aus diesem Grund wird immer wieder ein stärkerer Bezug zu den Lebenswelten von benachteiligten und vulnerablen Gruppen gefordert.

Das Projekt setzt an dieser Lücke an und untersucht durch eine ethnographisch angelegte Untersuchung die Gesundheit von in der Schweiz lebenden Familien in ihren Lebenswelten. Dabei wird Gesundheit als alltägliche soziale Praxis aufgefasst, die in den Lebenswelten eingebettet ist. Es wird dabei ein salutogenetisches und ressourcenorientieres Verständnis von Gesundheit zu Grunde gelegt. Benachteiligte Gruppen (mit und ohne Migrationshintergrund) werden nicht von vornherein als defizitär konstruiert. Vielmehr geht es darum, zu beobachten und zu rekonstruieren, wie die genannten Gruppen in ihrem Alltag Gesundheit leben, wie sie mit alltäglichen Fragen im Kontext von Gesundheit und Krankheit umgehen, welche Bewältigungsstrategien sie haben (Gesundheit als soziale Praxis). Die Nutzung neuer Medien und die Medienkompetenzen der Familien wird aufgrund der Aktualität des Themas einen ganz besonderen Fokus einnehmen. Eine Ausgangsthese ist, dass benachteiligte Gruppen über milieuspezifische und ethnisch-kulturelle Ressourcen und Wissensbestände (z.B. Health Literacy) verfügen, die häufig nicht beachtet, sondern eher invisibilisiert werden. Ein Ziel des Projekts ist es, diese Ressourcen sichtbar zu machen.

Das Projekt möchte theoretisch und empirisch zum besseren Verständnis von herkunftsspezifischen gesundheitlichen Ungleichheiten und von Health Literacy und zur Entwicklung einer salutogenetisch orientierten Gesundheitsethnologie beitragen.