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Bedarf nach Primärprävention und Health Literacy in Familien mit psychisch erkrankten Eltern

Die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass Kinder mit psychisch erkrankten Eltern häufig mit besonderen Belastungen und Beeinträchtigungen konfrontiert sind und dass bei diesen Kindern das Risiko, selbst eine psychische Störung zu entwickeln, signifikant erhöht ist. Kinder psychisch erkrankter Eltern sind eine Hochrisikogruppe. Sie haben ein drei- bis vierfach höheres Risiko eine psychische Störung auszubilden als Kinder in der Allgemeinbevölkerung. Das psychiatrisch-psychosoziale Versorgungssystem ist mittlerweile stärker auf die Kinder und ihre erkrankten Eltern aufmerksam geworden. Angestoßen durch Fachtagungen, Symposien und Kongresse ist in verschiedenen Regionen und Orten eine Reihe von Initiativen entstanden, die Kindern und ihren psychisch erkrankten Eltern professionelle Hilfen anbieten. Auf der Grundlage der Befunde der Resilienzforschung sind in den letzten Jahren verschiedene multimodale Interventionsprogramme entwickelt und erfolgreich implementiert worden. Formal lassen sich kinder- oder elternzentrierte sowie familienorientiert angelegte Programme unterscheiden.

Angesichts des hohen Belastungspotenzials, das für die Kinder aus dem Zusammenleben mit psychisch erkrankten Eltern erwächst – so zeigen Studien, dass etwa Zweidrittel der Kinder hoch belastet sind – gewinnt die Gesundheitsförderung und Primärprävention eine besondere Bedeutung. Frühe und rechtzeitige Hilfen für Kinder und ihre Familien ermöglichen, ungünstige Entwicklungen der Kinder zu verhindern bzw. abzumildern und begünstigen ein gesundes Aufwachsen der Kinder. Primärpräventive und gesundheitsfördernde Angebote fehlen bislang im psychosozialen Versorgungssystem.

Gesundheitsfördernde und präventive Maßnahmen lassen dann einen langfristigen und nachhaltigen Erfolg erwarten, wenn sie von der Health Literacy der einzelnen Familienmitglieder und der Familie als System ausgehen und diese gezielt verbessern. Voraussetzungen für eine verbesserte Health Literacy sind Wissen über gesundheitsfördernde Faktoren, Kenntnisse über eine gesunde, entwicklungsfördernde Lebensweisen, Entwicklung eines gesundheitsfördernden Lebensstils, Motivation zur Verhaltensänderung sowie die Fähigkeiten zum Umgang mit den Belastungen. Dazu sind eine Analyse der subjektiven Perspektive der Familie, ihrer Bedürfnisse und die vorhandene Health Literacy der Familie und der einzelnen Familienmitglieder notwendig.

KontaktInstitutionEMail
Prof. Dr. Ullrich Bauer
Universität Bielefeld
ullrich.bauer@uni-bielefeld.de
Dirk Bruland
Universität Bielefeld
dirk.bruland@uni-bielefeld.de
Prof. Dr. Albert Lenz
-Teilprojektleitung-
Katholische Hochschule Paderborn
a.lenz@katho-nrw.de
Dr. Ewald Rahn
LWL
ewald.rahn@wkp-lwl.org
Patricia Wahl
-Kontakt-
Katholische Hochschule Paderborn
p.wahl@katho-nrw.de