Förderphase 2018-2021

Der HLCA-Verbund wird in der zweiten Förderphase unverändert Health Literacy in der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen im Kontext von Gesundheitsförderung und Primärprävention erforschen. Der Forschungsschwerpunkt wird von eher grundlagenorientierter auf anwendungsorientierte Forschung mit bedeutendem Praxisbezug verschoben. Das übergeordnete Ziel der zweiten Förderphase des HLCA-Verbundes ist demnach, durch anwendungsorientierte Forschungsprojekte Erkenntnisse zu generieren und anzuwenden, um in der Health Literacy-Forschung den Lückenschluss zwischen Wissenschaft und Praxis- bzw. Politik-Maßnahmen herzustellen („Closing the Science-to-Practice Gap“). Die thematisch-methodischen Forschungsschwerpunkte sind dabei:

  1. Health Literacy-Surveyforschung
  2. Health Literacy-Interventionsforschung
  3. Health Literacy-Policyforschung

Als vierte Säule der Forschung adressiert der HLCA-Verbund die Untersuchung und Begleitevaluation der Teilprojekte im Hinblick auf die Faktoren Gender-, Diversity sowie Gesundheitsökonomie. Hierbei werden auch intersektionale Ungleichheitsmerkmale Gegenstand der Analysen sein.

Die Forschungsergebnisse aus der ersten Förderphase verdeutlichen im Zusammenhang mit den thematisch-methodischen Forschungsschwerpunkten nicht nur signifikante und weitreichende Leerstellen bei Health Literacy-Förderprogrammen und Strategien für Kinder und Jugendliche, sondern stellen selbst grundlegende Erkenntnisse für Aktivitäten dar und werden maßgeblich in die Forschungsprojekte der zweiten Förderphase einfließen. Die Ziele der zweiten Förderphase für den HLCA-Verbund und dessen Teilprojekte lassen sich vor diesem Hintergrund wie folgt beschreiben:

  • Durchführung einer repräsentativen Health Literacy-Erhebung bei Kindern und einer populationsbezogenen Erhebung bei Jugendlichen, um den Stand der Health Literacy in jüngeren Bevölkerungsschichten in Deutschland abbilden und evidenzgestützt Bedarfslagen für Interventionen ermitteln zu können,
  • Sammlung und Inventarisierung von Health Literacy-Interventionen für Kinder und Jugendliche sowie die Entwicklung, Implementierung und Evaluation eigener Maßnahmen (z.B. Förderprogramme und Politikmaßnahmen), einschließlich solcher für Professionelle, die mit der Zielgruppe arbeiten (z.B. Lehrer_innen, Erzieher_innen und Sozialarbeiter_innen),
  • Erhöhung der Inanspruchnahme von Angeboten und Maßnahmen in den Zielgruppen,
  • Stärkung der Wissensbasis, Erkenntnisgenerierung im Kontext von Health Literacy-Unterschieden in den Zielgruppen sowie die Entwicklung eines besseren Verständnisses für die Effekte sozial bedingter Ungleichheiten in der Kinder- und Jugendgesundheit,
  • Verbesserung der Umsetzungskapazität von Akteur_innen und Health Literacy-relevanten Stakeholdern aus der Wissenschaft, Praxis und Politik, die auf verschiedenen Ebenen für die Umsetzung von Maßnahmen und Programmen verantwortlich sind,
  • Förderung von Capacity-Building für Health Literacy am Forschungsstandort Deutschland und Durchführung von Forschungsaktivitäten mit internationalen Partner_innen,
  • Transfer und Synthese der generierten Evidenz, um Empfehlungen für Prozesse politischer Entscheidungsbildung und für praktische Maßnahmen abzuleiten.

Die Teilprojekte der zweiten Förderphase:

hl-kids-nrw
mediaprotect
tool-hlca
mohlaa2
prolifestyle
genhecon
impres
scura

Die Ziele der Teilprojekte:

  • Entwicklung einer Toolbox mit Health Literacy-Interventionen, um Health Literacy bei Kindern und Jugendlichen zu fördern (Tool-HLCA),
  • Durchführung der weltweit ersten repräsentativen Health Literacy-Erhebung bei Kindern im Alter von 9 und 10 Jahren an Grundschulen und Adaptation des Fragebogens für 11- bis 13-jährige Kinder (HL-Kids-NRW),
  • Durchführung der ersten populationsbezogenen Health Literacy-Erhebung bei 14- bis 17-jährigen Jugendlichen in Deutschland und Adaptation des Fragebogens für weitere Subgruppen in der Altersstufe (MOHLAA 2),
  • Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von Health Literacy-Interventionen:
    • Mental Health Literacy-Interventionen für Kinder und Jugendliche (IMPRES),
    • e-Health Literacy-Interventionen und Schulungsprogramme für Lehrkräfte, Eltern, Kinder und Jugendliche (MEDIA PROTECT, ProLifestyle und SCURA), einschließlich einer Online-, Video- sowie App-basierte Intervention für Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren (ProLifestyle),
    • Begleitung und Untersuchung der Interventionen hinsichtlich gesundheitsökonomischer und Gender-bezogener Aspekte (GenHEcon),
  • Policy-Forschung und Politikfeldanalysen: Analyse und Inventarisierung von politik-unterstützten lokalen, nationalen und internationalen Health Literacy-Maßnahmen sowie Formulierung von Politikempfehlungen (PMOplus),
  • Übersetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis (PMOplus und GenHEcon).

Der Verbund wird sich aus insgesamt neun Teilprojekten zusammensetzen, die sich an vier Standorten ansiedeln: an der Universität Bielefeld, am Robert Koch-Institut Berlin, an der Pädagogische Hochschule Freiburg und an der Universität Duisburg-Essen. Die thematischen Schwerpunkte der drei Arbeitsblöcke der ersten Förderphase: Health Literacy (HL, Säule 1), Mental Health Literacy (MHL, Säule 2) und e-Health Literacy (eHL, Säule 3) werden zwar in die zweite Förderphase überführt, jedoch wird sich die Säulen- bzw. die Arbeitsblocklogik aus wissenschaftlichen und technischen Gründen auflösen. Dieser Schritt geht notwendigerweise sowohl aus den neuen, anwendungsbezogenen Projektfragestellungen als auch aus der neuen Forschungsstruktur des HLCA-Verbundes hervor.